Aufwindfestival zum Saisonende

Musbacher Aufwindjäger erfliegen deutschlandweit Platz zwei und drei der OLC Tageswertung.

Nachdem die Saison den Segelfliegern bis Anfang August teils nur mäßiges Flugwetter brachte, drehte der Spätsommer danach kräftig auf. Ab Mitte August konnte quasi fast jeden Tag geflogen werden und dazu große Überlandflüge absolviert werden. Doch was der bisherige September zu bieten hatte ist schon eine kleine Sensation. Ein beständiges Hitzehoch hat die Böden ausgetrocknet, die nun teils wie eine Herdplatte erwärmt, Aufwinde von bis zu fünf Meter/Sekunde brachten. Dazu stieg die Wolkenbasis bis auf 3.000 Meter an. So erlebten die Piloten der FG Freudenstadt, Bedingungen die normalerweise im Hochsommer in Spanien anzutreffen sind. War schon das Wochenende am 03./04. September der Thermische Bringer, toppte das Folgewochenende am 10./11. September das Ganze. Das wollten sich Musbachs Aufwindjäger nicht entgehen lassen und nutzten die seltene Wetterlage abermals zu ausgedehnten Überlandflügen über dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. Wie gemalt sah der Himmel aus, als fünf Piloten bei 3/8 Quellbewölkung am 10. September abhoben und auf Strecke gingen. Quasi mit einem luftigen Vereinsausflug verschaffte man der Saison einen krönenden Abschluss. Michael Buchthal spielte einmal mehr seine Klasse aus und erflog mit seinem Discus 2a 630,55 km / 700,46 Punkte. Damit landete der ehemalige Weltmeister der Standardklasse in der Weltweiten OLC Tageswertung unter 926 Piloten auf Tagesrang 14. In der Deutschland OLC -Tageswertung erflog er hinter Joachim Koch aus Schwäbisch Gmünd Tagesplatz 2. Dahinter folgte Frank Popp (FG Freudenstadt) der mit seiner DG 800S 605,77 km / 669,19 Punkte  erzielte (Weltweit Platz 18). Mit einem Discus flog Tilmann Fuchs 544,77 km / 608,05 Punkte heraus (Weltweit 30 / Deutschland 12). Mit dem Leistungsstärkeren Duo Discus XL (Flugzeuge werden nach Index gewertet) schaffte Joachim Treier 602,30 km / 591,20 Punkte. (Weltweit 37 / Deutschland 18). Hansjörg Rothfuß erflog mit der DG 800B/18m gute 568,16 km / 565,68 Punkte was Weltweit Platz 41 und Deutschlandweit Rang 22 brachte. Tags darauf flog Martin Busch nochmals mit dem Vereins Discus 2b 364,4 km / 354,79 Punkte heraus. Popp schwärmte von einem tollen Spätsommertag. Rothfuß sprach das aus, was mancher Pilot an diesem Wochenende in Deutschland dachte: „Kann mich nicht erinnern, jemals im September so tolles Flugwetter über dem Schwarzwald und der Alb gehabt zu haben“! Damit hat er sicherlich recht. Solche hitzige September sind eher die Ausnahme. Segelflieger sind aber auch Sensoren am Himmel. Die, die schon Jahrzehnte dabei sind, spüren schon ab und an dass sich etwas in der Atmosphäre und ihrem Energiegehalt geändert hat. Flugleistungen wie heuer, waren vor selbst vor 20 Jahren nahezu undenkbar. Als Energielieferant bäckt die Sonne nun im anstehenden Herbst und Winter kleinere Brötchen. Doch bald heißt es wieder Nordost- und Südwestwelle. Diese dynamischen Aufwinde tragen die Segelflieger auf große Höhen. Wird das Wellenfluggebiet Murgtal von der Flugsicherung in Langen freigegeben, sind Flüge bis weit über 5.000 Meter Höhe möglich. Der Rekord steht bei Nordostwelle bei über 7.000 Meter. Dazu muss man aber einen Transponder und ab 4.000 Meter Sauerstoff an Bord haben. Und wenn alles passt, sind in den Wellenströmungen über dem Schwarzwald und Odenwald Streckenflüge über 500 km möglich, wobei die Experten sicher sind, das trotz geringerer Tageszweit es nur eine Frage der Zeit ist, bis die 700 km Grenze purzelt.

Text und Bilder: Lothar Schwark

 

Letztes Augustwochenende brachte gutes Flugwetter

Nach einer vom Wetter nicht unbedingt verwöhnten Flugsaison versöhnte die Thermik die Musbacher Segelflieger nochmals am letzten Augustwochenende. Die guten Bedingungen nutzten am 27. August nochmals einige Aufwindjäger der Fliegergruppe Freudenstadt zu Langstreckenflügen. Mit der HPH 304 Shark erflog Christof Geißler mit einem Flug über dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb um mehrere Wenden herum 675,6 km / 652,89 Punkte. Dies brachte ihm Weltweit unter 619 Teilnehmern den 30 Platz in der OLC Tageswertung ein. Deutschlandweit reichte es unter 280 Piloten für Platz 4, in Baden-Württemberg erflog Geißler Platz 3 (121 Teilnehmer). Vereinskamerad Frank Popp flog mit seiner DG 800S/18m nahezu in derselben Region 659,27 km / 640,29 Punkte heraus was die Tagesplätze 37 (Weltweit), 7(Deutschland) und 6 (Baden-Württemberg) brachte. Nicht so weit, aber dafür mit 120,0 km/h schnell war Hansjörg Rothfuß mit einer DG 800B bei seinem Trip über 393,8 km unterwegs. „Der Sommer lief zur Hochform auf, habe einen sehr schönen Schwarzwaldtag erlebt“ so Rothfuß. Eine ganz besondere Variante hatte sich Joachim Treier mit seinem Copilot Michael Buchthal einfallen lassen. Im Schlepp hinter einem Motorsegler ließen sie sich mit dem Duo Discus XL der Fliegergruppe Renchtal (fliegt für Freudenstadt im OLC) bis ins Allgäu schleppen. Von dort stiegen sie in das Alpenrelief ein um den Seilschaften am Piz Palü bei ihrer Kletterkunst zuzuschauen. Am Alpenhauptkamm wendeten sie in über 4.000 Meter. Aufkommende Gewitterneigung verhinderte den direkten Flug aus den Alpen. So waren sie gezwungen auf dem Flugplatz Hohenems zu landen und durften dort über Nacht die Gastfreundschaft der Österreichischen Fliegerfreunde zu genießen. Vom Erlebniskonto war dies sicherlich ein Volltreffer. Tags darauf waren Axel Reich und Co. Christof Geißler mit einem Nimbus 4DM 288,64 km über dem Schwarzwald unterwegs. In der 2. Segelflug-BUNDESLIGA konnte man in Runde 19 nicht mehr punkten, da Regenschauer rund um Freudenstadt einen Abflug verhinderten. Im Schlussklassement blieb es für die Freudenstädter bei Rang 20 und den Verbleib in der 2. Segelflug-BUNDESLIGA. Neun Nullrunden der Musbacher Segelflieger belegen die Launen des Wetters. Wenn man flog war man aber meist gut platziert. So wurde in Runde 6 und 14 der Rundensieg erflogen. Die Motivation der Musbacher Piloten belegte Rundenplatz 3 in den Runden 17 und 18.

Auch an der Winde starteten die Musbacher Segelflieger zu ausgedehnten Überlandflügen.
Auch an der Winde starteten die Musbacher Segelflieger zu ausgedehnten Überlandflügen.

Text und Foto: Lothar Schwark

Matthias Sturm macht das Rennen

Im Schlussspurt beim Grand Prix noch Holger Karow überholt. Drei deutsche Piloten auf dem Siegerpodest.

Nach sechs fesselnden Wertungsflügen ging in Musbach der FAI Grand Prix Germany zu Ende. In einem spannenden Finish zog Matthias Sturm (ASG 29 18m) vom LSV Schwarzwald mit Tagesplatz 2 (108,1 km/h) wieder an Holger Karow (JS-1 18m) von der Fliegergruppe Wolf –Hirth vorbei, der Tagesplatz 5 und 105,2 km/h erflog. Damit sind Karow wie auch Sturm zum FAI Grand Prix Finale in Potchefstroom / Südafrika, das als Weltmeisterschaft gewertet wird qualifiziert.  Strahlender Gewinner des Schlußtags wurde Mario Kießling (Ventus 3T) der die 271,74 km Flugaufgabe um die Wenden Bad-Teinach – Bonndorf/Schwarzwald – Sigmaringen – Glatten mit 108,2 km/h absolvierte. Damit schaffte Kießling mit dem Brandneuen Ventus 3T von Schempp-Hirth den ersten Tagessieg bei Wettbewerbsdebüt des Flugzeuges in Deutschland.  Nachdem an den Vortagen Kaltluft für gute Thermik sorgte, floß am Schlußtag warme Luft ein. Diese bremste die Aufwinde etwas aus. „Der Anfang war eher zäh“ berichtete Sturm. Bei Bondorf musste er fast schon  im Tiefparterre einen Aufwind ausgraben. „Danach lief es gut“ berichtete der in Oberschwandorf wohnhafte Gewinner des FAI Grand Prix in Musbach. Kießling zog bei Villingen einen 3,5 Meter/Sekunden Aufwind, den in Michael Schlaich vom LSV Schwarzwald durch sein Kreisen präsentierte. Der Sprung auf die Alb von Sigmaringen aus bremste Karow kurzzeitig aus. So musste er den Tschechen Roman Mracek (ASG 29E/107,4 km/h/Platz 3) und Petr Svoboda (ASG 29 18m/106,9 km/h/Platz 4) den Vortritt lassen. 12 Aufwindjäger waren mit über 100 km/h unterwegs. Trotz durchwachsenen Wetter konnten 19 Teilnehmer an sieben von acht möglichen Flugtagen abheben (inklusive offizielles Training). Einzig am 12. August verhinderte anfangs eine geschlossene Wolkendecke einen fairen Wertungsflug. Die größte Flugstrecke schrieb Sportleiter Axel Reich beim ersten Luftrennen mit 334,62 km aus. Die kürzeste und mit spannendste Wertung wurde beim 3. Wertungsflug mit 144,58 km ausgeflogen. Hier ging es ins Kraichgau und die meisten Piloten wählten den Flug durchs wilde Murgtal, was manchen Pilot trotz Sicherheitshöhe Respekt einflößte. Während Sturm als Tagessieger die ersten beiden Flüge dominierte, flog Karow darauf folgend drei Tagesiege ein, um am fünften Flugtag die Führung zu übernehmen. Den schnellsten Wettbewerbsschnitt  erflog Sturm beim 2. Wertungsflug mit 122,3 km/h über 255,2 km. An allen Flugtagen bewältigte der überwiegende Teil der Teilnehmer, die vorgegebenen Flugaufgaben. Im Vergleich zum FAI Grand Prix in Chile, Spanien, Russland, Italien, Frankreich  Österreich, Großbritannien, USA, Deutschland, hat Sturm in Musbach mit 50 Zählern die höchste Punktzahl aller Quali´s erreicht. „Es war ein cooler Wettbewerb“ so  Michael Schlaich nach der Siegerehrung. Und dieser Meinung schlossen sich neben den deutschen Teilnehmern ebenso die Flieger aus Frankreich, Niederlande, Tschechien, Polen, Schweden und Südafrika an. In Musbach wurde vom 06.-13. August Segelflugsport auf höchstem Niveau mit Weltklassepiloten geboten. Mehrere Teilnehmer nehmen bald an den 34.  Weltmeisterschaften der 15-Meter – 18-Meter und Offene Klasse vom 08. -21. Januar 2017 in Benalla/Australien teil. Darunter auch Sturm, Karow und Kießling. IGC Vizepräsident Christof Geißler schätzte den guten Verlauf des FAI Grand Prix in Musbach. Grüße überbrachte auch Oberbürgermeister Julian Osswald, der sich bei der Siegerehrung in Musbach über einen gelungenen Internationalen Segelflugwettbewerb freute.

Bilder Grand Prix

FAI Grand Prix Germany. Wertungsflug 6 Distanz 271,74 km.
1. Mario Kießling Ventus 3T FG Wolf – Hirth 108,2 km/h – 11 Punkte (Bonuspunkt am Schlußtag).
2. Matthias Sturm ASG 29 18m LSV Schwarzwald 108,1 km/h / – 8 Punkte.
3.Roman Mracek ASG 29E Tschechien 107,4 km/h – 7 Punkte.
5. Holger Karow (JS-1 18 m) FG Wolf-Hirth 105,2 km/h – 5 Punkte.
8. Michael Schlaich Ventus 2cT 18m LSV Schwarzwald 104,2 km/h – 2 Punkte.

Endergebnis FAI Grand Prix Germany in Musbach.
1. Matthias Sturm ASG 29 18m LSV Schwarzwald – 50 Punkte.
2. Holger Karow JS-1 18m FG Wolf-Hirth – 49 Punkte.
3. Mario Kießling Ventus 3T FG Wolf-Hirth – 39 Punkte.

14. Michael Schlaich Ventus 2cT 18m LSV Schwarzwald – 2 Punkte.

Text und Bilder: Lothar Schwark